N-Gage 2.0 vs. N-Gage, Doppelung der Fehler?

ngage.jpgNokia und N-Gage, eine lange Geschichte, bisher ohne wirkliches Ende, leider auch ohne wirklich Eindruck zu machen. Bereits 2003 wollte Nokia in der Gaming Szene den Durchbruch schaffen. Mit einem Gerät, das mobile Kommunikation und Spielkonsole vereint. Das erste N-Gage, besser bekannt als „Taco“ war für seine damalige Zeit gut ausgestattet. Ein großes Display mit guter Auflösung, Stereo Sound, Symbian Betriebssystem, Speicherkartenslot. Und günstig war es auch noch. Trotzdem war N-Gage kein Erfolg. Die Gründe dürften bei der ersten Version wohl mehrere gewesen sein. Ich will mich hier nicht mit genauen Zahlen oder offiziellen Statements von Nokia rumschlagen. Meiner Meinung nach gab es genau drei Gründe, warum das N-Gage damals scheiterte. Das Gerät, die Verbreitung der Spiele als offline Angebot auf MMC Karten und die Raubkopien. Natürlich werde ich meine Gründe ein bisschen erläutern:

Das Gerät: Als reine Spielkonsole war die Qualität der Spiele zu schlecht. Zum telefonieren musste man ein Headset benutzen, wenn man nicht wie ein Vollidiot auf der Straße stehen wollte. Das Gerät war weder das eine, noch das andere, nicht Fisch, nicht Fleisch. Wollte man ein Handy, hat man sich ein „schickes“ geholt, wollte man eine Spielekonsole, hat man sich einen GB Advance geholt.

Spiele auf MMC: Die Verbreitung der Spiele auf MMC Karten war ein großer Fehler. Wollte man spielen, hatte man keinen Platz mehr auf dem Handy für Musik, musste für jedes game eine andere MMC Karte einstecken. Die Spiele waren zudem noch richtig teuer (ca 25 €). Das kann einem schnell den Spaß verderben.

Raubkopien: Einerseits das Beste was dem GERÄT passieren konnte, andererseits hat es die Plattform sterben lassen. Die Vorteile der Raubkopien liegen ganz klar auf der Hand: eine MMC, zig Spiele, Musik und sonstiges, kein Rennen zum nächsten Shop (der damals sehr schwer zu finden sein konnte), Spielspaß überall. Das Gerät profitierte von hohen Verkaufszahlen. Handy plus Spielekonsole für 150 €, ein unschlagbarer Preis. Ich kenne so viele Leute, die sich ein N-Gage zum zocken gekauft haben, aber nie auch nur einen Cent in ein Game investiert haben.

2008 geht Nokia in die Offensive: Es werden großartige Games in noch nicht bekanntem Ausmaß für viele Handys angekündigt. Social Networking über die N-Gage 2.0 Plattform, Online Kämpfe der Spieler, alle großen Spielehersteller sind dabei. Die Symbianwelt freut sich, kann es nicht erwarten. Dann dewr erste große Schock: Das Nokia N81, von Nokia als erstes N-Gage 2.0 Handy angepriesen, hat zwar dedizierte Spieletasten, aber wo zur Hölle ist die 3D Grafikbeschleunigung? Die Welt wartet was N-Gage 2.0 bringen wird.

Nachdem die N-Gage Plattform so nach und nach auch für andere Handys der N-Serie freigegeben wird und die ersten Spiele erscheinen, fragen sich viele, kennen wir das nicht schon? Da kommen Titel wie Mile High Pinball, Asphalt Urban GT und selbst 2009 kommt ein Worms Titel. Das alles haben wir schon auf dem alten N-gage gesehen. Wir wollen was Neues. Naja, wenigstens dauert es nicht lange und die Cracker machen N-Gage 2.0 für alle s60v3 Handys verfügbar, auch die Spiele gibt es kostenlos. Also halb so wild. Es tröpfeln die Neuerscheinungen aus dem netz, aber wirkliche Kracher sind nicht dabei. Klar, Big Player, wie EA oder Gameloft bringen optisch schöne Games, aber vom Gameplay überzeugen die nicht. Multiplayer Modi Fehlanzeige. Gameloft geht noch einen Schritt weiter und released sämtliche Games ein paar tage später auch als billige Java Version, grafisch genauso hübsch anzusehen. Warum sollte man also für ein Block Breaker Deluxe 10 € zahlen, wenn man das gleiche auch für 3 € als java game haben kann. Irgendwas läuft da falsch.

Nächster Fehler Nokia. Es werden immer mehr Handys released, die technisch zwar in der lage sind, N-gage zu nutzen, aber es wird seitens Nokia einfach nicht gestattet. Was soll das? Kein interesse an der Verbreitung der Plattform? Warum wird es E-Series Nutzern vorenthalten zu spielen? Mittlerweile ist es ja schon so, dass eine Verschmelzung der verschiedenen Serien stattfindet, aber die Frage ist, ist es vielleicht zu spät?

Zu wenig Games. Wie will man eine Spieleplattform erfolgreich machen, wenn es an Games mangelt? Beispiel Nintendo DS, es gibt ca. 2500 Titel. Klaer, der DS ist eine reine Spielekonsole, aber Nokia strebt doch genau das an. Eine Spielekonsole mit Telefonfunktion. Ein Multimediagerät. Was bringt es da, wenn es gerade mal 40 Spiele gibt? Und nicht einmal alle Genres abgedeckt werden?

Negativ fällt ausserdem auf, wie Nokia die Lizenzvergabe bei N-Gage Spielen handhabt. So ist es nicht möglich, ein bereits teuer gekauftes Spiel auf ein anderes Handy „mitzunehmen“. Andere Softwarehersteller haben den Bedarf daran erkannt und bieten einen IMEI Wechsel für gekaufte Programme an. Zwar hat Nokia angekündigt, das System ändern zu wollen, aber die Frage ist wann? Dann wenn N-Gage 2.0 schon wieder am verschwinden ist? Zu spät.

Pluspunkt Nokia: Raubkopien! Waren die ersten 27 N-Gage 2.0 Spiele kurz nach Erscheinung gecrackt erhältlich, scheint Nokia es geschafft zu haben, dies einzudämmen. Zumindest ist mir nicht bekannt, dass die neueren Spiele gecrackt erhältlich wären. Vielleicht motiviert das ja Spieleprogrammierer, auch mal ein game für N-Gage zu bringen. Natürlich kann es jederzeit sein, dass die Spiele auch wieder gecracked werden. Aber dieses Risiko besteht immer und kann nur durch hohe Verkaufszahlen kompensiert werden.

Fazit: Nokia ist auf einem für den Spieler interessanten Weg, aber es mangelt an teilweise wichtigen Dingen. Bekommt Nokia die nicht in den Griff, können wir uns in spätestens 3 Jahren auf N-Gage 3.0 freuen, vielleicht dann mit besserem (kundenfreundlicherem) Rezept. Klar ist auch, dass ein Handy nie an eine reine Spielekonsole wie PSP oder Nintendo DS rankommt, aber für Gelegenheitsgamer trotzdem interessant ist, da eben keine extra Konsole gebraucht wird, um ansehnliche Spiele zu zocken.



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